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Schweizer Steuersystem
Bund, Kantone und Gemeinden besteuern nebeneinander. Wie das zusammenspielt, warum die Sätze so weit auseinanderliegen und was der Steuerwettbewerb bewirkt.
Von Silvio Börlin · Mitgründer · Dipl. Betriebswirtschafter HF
3 Minuten Lesezeit · Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Inhalt dieses Beitrags
- Das Wichtigste in Kürze
- Kantonale Steuern: Vielfalt und Autonomie
- Was die Kantone besteuern
- Bundessteuern: Einheitlichkeit und Relevanz
- Gemeinde- und Kirchensteuern: lokale Ergänzungen
- Steuerwettbewerb und Standortattraktivität
- Auswirkungen auf Unternehmen und Privatpersonen
- Quellen & weiterführende Informationen
Kantonale Steuern: Vielfalt und Autonomie
Ein zentraler Bestandteil des Schweizer Steuersystems ist die Autonomie der Kantone bei der Festlegung ihrer eigenen Steuersätze. Dies führt zu einer Vielfalt an Steuersätzen im ganzen Land, da jeder Kanton seine eigene Steuerpolitik basierend auf seinen wirtschaftlichen Bedürfnissen und politischen Zielen gestalten kann.
Was die Kantone besteuern
- Einkommenssteuer für natürliche Personen: Die Höhe der Einkommenssteuer variiert stark zwischen den Kantonen. Generell gilt: Je höher das Einkommen, desto höher die Steuerbelastung.
- Gewinn- und Kapitalsteuer für juristische Personen: Unternehmen müssen in jedem Kanton, in dem sie tätig sind, Steuern auf ihre Gewinne und ihr Kapital entrichten. Auch hier variieren die Steuersätze erheblich.
Bundessteuern: Einheitlichkeit und Relevanz
Neben den kantonalen Steuern erhebt auch der Bund Steuern. Diese Bundessteuern gelten einheitlich in der ganzen Schweiz. Für Unternehmen und ihre Inhaberinnen und Inhaber sind diese die wichtigsten:
- Direkte Bundessteuer für natürliche Personen: Diese Steuer ist progressiv gestaltet, d. h., je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz.
- Direkte Bundessteuer für juristische Personen: Kapitalgesellschaften und Genossenschaften zahlen eine Gewinnsteuer von 8,5 % des Reingewinns (Art. 68 DBG). Der Satz ist fest und steigt nicht mit dem Gewinn. Eine Kapitalsteuer erhebt der Bund nicht; sie ist eine kantonale Steuer.
- Mehrwertsteuer (MWST): Die MWST ist eine indirekte Steuer, die auf den Konsum von Waren und Dienstleistungen erhoben wird. Der Mehrwertsteuersatz in der Schweiz beträgt 8,1 %. Es gibt jedoch auch reduzierte Sätze: 2,6 % für bestimmte Güter wie Lebensmittel, Bücher und Medikamente sowie 3,8 % für Beherbergungsdienstleistungen.
- Verrechnungssteuer: Der Bund erhebt sie auf Kapitalerträgen, etwa auf Dividenden einer AG oder GmbH und auf Zinsen von Obligationen. Sie beträgt 35 % und wird direkt von der Auszahlung abgezogen (Art. 4, 13 und 14 VStG). Wer in der Schweiz wohnt oder seinen Sitz hat und den Ertrag ordnungsgemäss angibt, erhält sie zurück; wer ihn in der Steuererklärung verschweigt, verliert diesen Anspruch (Art. 22 bis 24 VStG).
- Stempelabgaben: Der Bund erhebt sie auf der Ausgabe von Beteiligungsrechten wie Aktien und Stammanteilen, auf dem Handel mit Wertschriften und auf bestimmten Versicherungsprämien (Art. 1 StG). Bei der Gründung oder Kapitalerhöhung einer AG oder GmbH ist die erste Million Franken an Einlagen von der Emissionsabgabe ausgenommen (Art. 6 Abs. 1 lit. h StG).
Gemeinde- und Kirchensteuern: lokale Ergänzungen
Zusätzlich zu den kantonalen und Bundessteuern können auch Gemeinden und Kirchgemeinden eigene Steuern erheben. Diese lokalen Steuern können die Gesamtsteuerbelastung weiter erhöhen, variieren aber stark von Gemeinde zu Gemeinde.
Steuerwettbewerb und Standortattraktivität
Die Unterschiede in den kantonalen Steuersätzen führen zu einem Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen. Dies bedeutet, dass Kantone mit niedrigen Steuersätzen Unternehmen und Privatpersonen anziehen möchten, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Dieser Wettbewerb hat dazu geführt, dass einige Kantone als besonders attraktive Standorte für Unternehmen und Privatpersonen gelten.
Auswirkungen auf Unternehmen und Privatpersonen
Die Wahl des Wohn- oder Geschäftsorts in der Schweiz hat daher erhebliche Auswirkungen auf die individuelle oder unternehmerische Steuersituation. Unternehmen sollten bei der Standortwahl die kantonalen Steuersätze und andere Standortfaktoren sorgfältig berücksichtigen. Privatpersonen sollten sich ebenfalls über die Unterschiede in den kantonalen Steuersätzen informieren, da diese sich auf ihre Einkommenssteuerbelastung auswirken können.
Fazit: Das Schweizer Steuersystem ist komplex und vielschichtig. Die Unterschiede in den kantonalen Steuersätzen und die zusätzlichen Ebenen der Bundessteuern und lokalen Steuern können zu einer hohen Steuerbelastung führen. Dennoch bietet das System auch gewisse Vorteile, z. B. die Möglichkeit, durch die Wahl des Wohn- oder Geschäftsorts die Steuerbelastung zu optimieren.
Quellen & weiterführende Informationen
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung. Die verlinkten Stellen helfen bei der Prüfung aktueller Regeln und der Einordnung Ihres konkreten Falls.
Redaktion & Herausgeberin
Onaccounting AG
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